Samstag, 12. Dezember 2015

Rezension: Dann bin ich eben weg - Christine Fehér






Titel: Dann bin ich eben weg - Geschichte einer Magersucht
Autor: Christine Fehér
Verlag: cbt
Einband: Taschenbuch
Preis: 5,90€ [D]
Seitenanzahl: 187
Reihe: -







41,2 kg

Morgens: 1/3 Salzstange
Vormittags: 1/2 Glas Selter
Mittags: 1/3 Salzstange

Klappentext:

Sina ist alles andere als dick. Aber in die coole Jeans von Melli passt sie nicht rein. Als sie eines Tages die Butter aus dem üppig belegten Käsebrot ihrer Mutter hervorquellen sieht, überkommt sie der Totalekel. So dick und frustriert will sie niemals werden!
Sina beginnt eine Diät. In die Jeans passt sie bald - doch aufhören kann Sina nicht mehr mit dem Kalorienzählen. Als die anderen merken, was mit ihr los ist, ist sie schon viel zu spät.

Meinung:

Sina Wagenknecht, 15 Jahre alt, findet sich zu dick. Zumindest nachdem zwei Tanten von ihr eine Bemerkung über ihre Figur ablassen. Sina beschließt eine Diät zu machen, um ein wenig abzunehmen, damit sie auch in die Jeans ihrer Freundin Melli passt. Rasant nimmt sie mehrere Kilo ab und hat ihr Ziel eigentlich erreicht, doch sie kann nicht mehr aufhören. Sie betreibt weiter übermäßig Sport, bis sie im Schwimmbad zusammenbricht. Zu dieser Zeit befindet sie sich nah an der Todesschwelle mit ihren 38kg, die sie noch auf die Waage bringt.
Sofort wird sie in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen und wird von Sondennahrung ernährt. Irgendwann beschließt sie allerdings so viel wie möglich zu essen, damit sie wieder nach Hause kann. Dort beginnt die Magersucht aber wieder Besitz von ihr zu ergreifen. Ein Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr rauszukommen scheint.

Sehr realistisch und durch die Ich-Perspektive betont, wird der Kampf gegen die Magersucht einfühlsam erzählt. Man erfährt hautnah, was in Sina vorgeht. Man merkt sehr schnell, dass Sina überfordert ist mit sich selber. Aber auch ihre Mutter, die ihr nicht helfen kann, ist mit der Krankheit ihrer Tochter sichtlich überfordert und weiß sich nicht mehr zu helfen. Dadurch, dass Sina das Drängen ihrer Mutter als Bevormundung wahrnimmt, ist die Gefahr allerdings sehr groß, dass diese Krankheit positiv aufgenommen werden kann, denn Sina wirkt anfangs tatsächlich fröhlicher und offener. Das kann leicht dazu verleiten, dass v.a. Mädchen in ihrem Alter das mal "ausprobieren" möchten, denn durch die Schilderung ihres Hungergefühls und der Euphorie, die sie hat, wenn sie ein bisschen abgenommen hat, kann sich dies leicht auf andere übertragen, denn es ist für sie, zumindest anfangs, ein tolles Gefühl.
Spätestens nachdem sie in der Psychiatrie war, sollte dieser Effekt aber wieder rückgängig gemacht werden, denn ab da ist von Euphorie nichts mehr zu lesen. Es werden einem klar die Folgen dieser gefährlichen Krankheit vor Augen gehalten, die dann doch tatsächlich abschreckend sind.
Trotzdem sollte keiner dieses Buch lesen, wenn er Probleme mit seinem eigenen Körper(gewicht) hat und leicht zu "überreden" ist. Die Gefahr, dass die eigentlich abschreckenden Element wie die Tagebuchaufzeichnungen der Essensmengen, verlockend wirken, ist dann doch zu hoch.
Ebenfalls wird deutlich, dass schulischer Druck und familiäre Probleme erhebliche negative Auswirkungen haben können.
So will Sina nicht nur abnehmen, weil sie die Bemerkung ihrer Tanten gehört hat und in die Hose passen möchte. Nein, sie möchte ihren verhassten Körper loswerden, nachdem ihr Onkel sie auf einer Geburtstagsfeier an die Brust gefasst hat, da sie dieses Ereignis mit Ekel erfüllt und sie unter ihrer weiblichen Figur leidet.
In der Schule werden überdurchschnittliche Leistungen erwartet. Diesem Standard kann sie nicht dauerhaft aufrechterhalten. Schreibt sie allerdings "schlechte" Noten, enttäuscht sie ihre Familie, die sie sowieso nur über ihre Noten wahrnehmen. Auch ihr Vater schenkt ihr keine Aufmerksamkeit und Zuneigung - sie fühlt sich wie das fünfte Rad am Wagen.
Erschreckend, wie schnell man in die Magersucht rutschen kann und wie schwer man wieder raus kommt.

Eines wird im Buch sehr deutlich: Es ist nicht nur ein Kampf auf kurze Zeit - es erfordert Kraft und Durchhaltevermögen, denn letztendlich ist es ein Kampf, der immer weiter geht.

Jetzt solltest DU dir noch etwas merken! Genau du, vor dem Bildschirm.
Du bist wundervoll so wie du bist! Du bist vielmehr wert, als dass diese Krankheit Besitz von dir ergreifen darf. Du bist viel zu wertvoll, als dass andere Menschen dich dazu bringen, dich für sie umzubringen. Psychisch und irgendwann auch physisch. Denk immer dran, DU bist die Person, die das alles durchmachen muss. Du bist die Person, die diesen steinigen Weg gehen muss und das hast du NICHT verdient!
"Girl, you're amazing - Just the way you are" ~ Bruno Mars

Bewertung:

Sims 3 Resort – Bewertung: vier Sterne

Kommentare:

  1. Die Rezi ist super! Es ist wirklich erschreckend was sina da durchgemacht hat (und ich hab das Buch nicht mal gelesenn) und wenn ich deinen Blog sehe ist meiner so unfassbar schlecht ;(
    Blog:fuchsigerleser.blogspot.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank! :)
      Ach was, ich hab mal vorbeigeschaut und ich finde deinen Blog absolut in Ordnung! :)

      Liebe Grüße und frohe Weihnachten,
      Sara

      Löschen
  2. Hallo! :)
    Wirklich schöne Rezension, ich habe mir das Buch (zusammen mit einigen anderen mit diesem Thema) gestern bestellt und bin sehr gespannt.

    LG Lea und noch ein frohes neues Jahr :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu,
      dankeschön! :)
      Ich kann dir auf jeden Fall noch "Engel haben keinen Hunger" zu diesem Thema empfehlen (http://buecherchaos4u.blogspot.de/2015/11/rezension-engel-haben-keinen-hunger.html) - aber vielleicht hast du es ja auch schon bestellt! :)

      Danke, dir auch ein wundervolles Jahr 2016,
      Sara <3

      Löschen